Medium & Stil im Netz der Zeit
3. Juli 2015

Holzig

In meiner Wohnung gibt es kein Limit für Kerzenständer. Sind sie auch noch aus Holz, passen sie perfekt in meine bisherige Sammlung.

Olivenholz, Kirsche, Walnuss, Buche – alles ist dabei. Der Großteil stammt von einem Schreiner aus der Türkei, aber auch ein Stück vom Flohmarkt ist mit dabei.

16. Juni 2015

Flohmarkt-Tipps

Neben Grillen, Holunderblütenduft und im kühlen Schatten lesen hat der Sommer noch einen großen Vorteil: die Flohmärkte finden wieder draußen statt. Passend zum Start der Saison habe ich euch ein paar Einkaufstipps zusammengestellt, damit Ihr glücklich geshoppt mit Euren Fundstücken nach Hause gehen könnt:

- früh da sein: Der Vorteil einer der ersten zu sein ist nicht nur freie Sicht auf die Stände, sondern die Verkäufer hatten noch gar nicht die Gelegenheit, ihre besten Stücke zu verkaufen

- handeln: Setzt Euch vor dem Handeln einen Höchstbetrag, den Ihr für das Stück ausgeben wollt. Der Verkäufer beharrt auf 10 Euro, Euer Limit ist aber 7 Euro? Schlagt erst 5 Euro vor, Ihr werdet sehen, was dann als Gegenangebot kommt. Besonders gut handeln lässt es sich, wenn Ihr mehrere Stücke bei dem gleichen Verkäufer haben möchtet. Schließt Euch also mit Euren Freunden zusammen, vielleicht finden sie dort auch noch etwas. Einfach weggehen und darauf hoffen, dass der sture Verhandlungspartner nachgibt, sollte die allerletzte Strategie sein und nur durchgezogen werden, wenn ihr das Stück nicht unbedingt haben müsst. Auch der Plan, sich nach etwas Ähnlichem bei anderen Ständen umzusehen, geht meistens in die Hose: Wenn die alte Schreibmaschine weg ist, ist sie weg, Chance vertan.

- nachfragen und genau hinsehen: gerade bei antikem Schmuck oder anderen alten Dingen sollte man unbedingt beim Verkäufer mehr Informationen darüber erfragen: Wie alt, gebraucht ist das Stück, funktioniert es noch (wenn möglich, lasst euch vorführen, dass das alte Radio noch spielt), etc. Meist erfährt man so auch ob derjenige wirklich Ahnung hat oder seine Sachen nur loswerden möchte. Finger weg, wenn Sätze wie „Warum sollte das nicht funktionieren“, „ja, das wird schon echter alter Schmuck sein“ fallen. Außer, ihr kennt euch selbst richtig gut aus.

- Freunde: Zusammen auf den Flohmarkt gehen ist zwar keine gängige Freizeitaktivität, macht aber trotzdem richtig Spaß: Geht ruhig mit euren Freunden gemeinsam hin, aber zieht dann alleine oder höchstens zu zweit auf Beutezug los. Danach trefft ihr euch dann am Eis-/ Getränkestand wieder und könnt die Fundstücke diskutieren.

- Verkäufer-Psychologie: Geübte Flohmarktgänger sehen auf einen Blick ob ein Stand für sie taugt oder nicht. Wonach sucht ihr genau? Wenn es die momentan heiß begehrten Vintage-Stücke sind, dann haltet Euch an die älteren Verkäufer. Ältere Damen verkaufen mit viel Glück ihren alten Schmuck oder ausrangierte 50er-Jahre-Tassen. Braucht ihr günstige Babykleidung oder Spielzeug? Schaut bei den Ständen, die Haushaltswaren und sonstiges moderne Zeug anbieten. Je geordneter die Stände sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Verkäufer Gedanken zu seinem Produkt gemacht hat und der Preis dementsprechend steigt. Traut Euch was, fragt ruhig nach Dingen, die eigentlich nicht zum Verkauf stehen, zum Beispiel Spiegel, die nur als Anprobespiegel gedacht sind. Das bringt die Verkäufer manchmal etwas aus dem Konzept und das Schnäppchen ist gemacht.

1. Juli 2014

Retrokeramik

Endlich wieder Flohmarktzeit – Sonnenbrand auf den Armen, Staub an den Fingern und neue Sommersprossen – nichts geht über Flohmärkte im Sommer. Fast jedes Wochenende rüstet irgendein Dorfplatz, eine LKW-Raststätte oder ein Marktplatz auf, um für ein paar Stunden vergessenen Kram und gut erhaltenen Trödel zu präsentieren.

Mittlerweile habe ich einen geschärften Blick und weiß schnell, an welchem Stand es sich lohnt, stehen zu bleiben. Meine Wunschliste ist sehr präzise geworden: Steckkerzenständer, Emaille-Schmuck und Keramikvasen. Die industriell gefertigten Vasen und Gefäße aus den 50ern bis 70ern haben es mir sehr angetan:

Eine der bekanntesten Produzenten ist die Scheurich KG, die sich als Scheurich & Greulich 1928 auf den Vertrieb von Auftragsware im Bereich Glas und Keramik spezialisiert hatte. Eigene Keramik wurde erst Anfang der 50er-Jahre produziert.

Die Scheurich-Produkte zeichnen sich durch bunte Farben und unterschiedlichste Muster aus. Die gleichen Modelle wurden in mehreren Farben produziert. Immer wieder auf’s Neue fasziniert mich, dass die Vasen im Zusammenspiel sehr gut “funktionieren”: egal wie unterschiedlich der Stil, die Farben, Jahrzehnte sind – sie passen in der Gruppe fantastisch zusammen.

Bay ist ein weiterer Keramikhersteller: 1933 gegründet von Eduard Bay und spezialisiert auf Zier- und Gebrauchskeramik, drei Jahre später stellte das Unternehmen auf Glasurkeramik um. Josef Koch verantwortete das Design in den 50ern, 1960 kam Bodo Mans dazu, der für seine bunten, manchmal schrillen und abstrakten Dekore berühmt wurde. 1970 ließ sich Bay den “Römertopf” patentieren, woraufhin sich auch der Firmenname änderte.

Den Erfolg und die Beliebtheit dieser Produkte in der Nachkriegszeit ist nicht ganz aufzuschlüsseln, vielleicht lag es an den neuen Entwürfen, den intensiven Farben und den neue Techniken wie “Gemmo” und “Sgrafo”. Mit der Sgrafo-Technik werden Gefäße in mehreren Farbschichten gegossen, die dann eingeritzt werden. Das so entstehende Muster macht die darunter liegenden Schichten sichtbar. Auch mit den Farben wurde experimentiert, was u.a. zum Ergebnis das typische tiefe intensive Rot hatte.

Richtig wertvoll sind Bay- und Scheurich-Produkte zumindest in Deutschland (noch) nicht. Es entwickelt sich aber ein internationaler Markt und der Export z.B. nach Australien soll sich laut eines befreundeten Antiquitätenhändlers mittlerweile lohnen. Auf kleineren Flohmärkten kann man immer mal wieder ein Schnäppchen machen, v.a. ältere Damen machen den Eindruck, ihre alten Vasen günstig loswerden zu wollen. Seltenere Exemplare findet man bei etsy, Dawanda oder ebay.

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