Medium & Stil im Netz der Zeit
22. September 2011

Knit happens

Mit etwa 14 habe ich ganz klassisch von meiner Mutter das Stricken beigebracht bekommen. Und seitdem lässt es mich nicht mehr los, sodass ich mehrmals im Jahr ein paar Strickprojekte umsetze, Schals, Socken, Sonstiges. Nachdem ich in diesem Winter die super leicht zu strickenden Loop-Schals für mich entdeckt habe, musste ich danach an ein altes Projekt ran, dass schon seit letztem Jahr im Schrank auf die Fertigstellung/ Vollendung wartete. Ein wahnwitziges rotes Strickkleid, im Halbpatent, Nadelstärke 3,0. Die Stricker unter euch werden wissend aufseufzen.

Es sieht auf den Fotos sehr klein aus. Aber da es gefühlte 16kg wiegt, zieht es sich beim Tragen nach unten. Nach meinem Kampf mit dem richtigen Arm-, Rücken- und Halsausschnitt hat das Verwahren der Fäden und das Zusammennähen noch einmal zwei lange Abende gedauert. Aber im Endeffekt hat sich die ganze Arbeit doch gelohnt.

Denn wie immer beim Stricken ist das entstandene Teil ganz anders geworden als ich es mir vorgestellt hatte, aber auf jeden Fall ist es völlig einzigartig und individuell. Keine andere besitzt genau dieses Kleid. Masche für Masche in mühseliger Handarbeit zusammengestrickt – am Ende lohnt es sich immer.

Aber warum gibt es gerade einen DIY-Hype, der irgendwie untrennbar verbunden ist mit dem Vintage-Hype? Vor einem Jahrhundert war es noch nötig, Kleidung selbst herzustellen, heutzutage ist das eher ein seltenes Privatvergnügen. Ich habe hier schon einmal kurz darüber reflektiert; vielleicht ist es der Geselligkeitsfaktor, vielleicht aber auch ein gewisser Qualitätsanspruch (meine gestrickten Sachen halten ewig, während viele gekaufte Kleidungsstücke manchmal schon nach einmal tragen irgendwo eine Macke haben). Neben dem Endprodukt, das entsteht, ist es für mich sicherlich auch die Entstehungsphase: Nach etlichen Stunden am Mac-Bildschirm ist das in die Hände nehmen der Stricknadeln der genaue Gegenentwurf dazu. So platt es klingt, aber “mit den Händen zu arbeiten”, öffnet eine andere Ebene: man muss sich richtig darauf konzentrieren, weder der facebook-Tab, Tweetdeck oder Skype lenken ab. DAS ist für mich neben dem Tragen-Können des neuen Stücks der tollere Mehrwert.

Wer es selbst ausprobieren möchte: Die vorletzte Ausgabe des CUT-Magazins hat einen schönen Einstiegsteil für angehende Stricker. All you knit is love eben. Definitely.

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