Medium & Stil im Netz der Zeit
20. Juni 2011

Justus Jonas, Peter Shaw, Bob Andrews

In den 80ern und vor allem 90er bin ich neben den fünf Freunden und Hanni und Nanni von Enid Blyton oder TKKG vor allem mit Just, Bob und Peter aufgewachsen. Meine Schwester und ich haben regelmäßig die Bücherei unseres kleinen Heimatorts unsicher gemacht, um den dortigen Bücherbestand von “Die Drei ??? und …” nach und nach auszulesen. Im Lauf der Jahre konnte ich auch eine kleine Sammlung an Hörspielkassetten aufbauen. Und wenn ich Wäsche aufhänge, aufräume oder sonstige (nervige) Dinge erledige, lege ich ganz oldschool ein Drei Fragezeichen-Tape ein, so geht alles viel leichter von der Hand.

In der akustischen Retrospektive wird dann aber immer in bestimmten Momenten deutlich, dass die Kassetten wirklich für Kinder gedacht sind. Und da mein Blick und Ohr durch den medial-analytischen Fokus meiner Masterarbeit immer noch geschärft ist, fielen mir ein paar witzige Dinge auf. Im Lauf der Jahrzehnte änderten sich die Methoden und die Medien, mit denen die drei Detektive arbeiteten, obwohl die Jungs natürlich nicht älter werden. Die aktuelleren Folgen beinhalten also Computer, E-Mail, etc. Was ich schade finde, denn die Rocky Beach-Episoden verlieren so meiner Meinung nach ihren Bezug zum Ursprung, zu Alfred Hitchcock, zu meiner Vorstellung des Kaliforniens in den 70er-Jahren – auch wenn hinter den Kulissen alles nicht immer so friedlich war.

Für die Hardcore-Fans unter Euch habe ich mir den nostalgischen medialen Einsatz der drei Detektive und die damalige Mediensituation näher angesehen:

“Bringt die Telefonlawine ins Rollen”:
In mehreren Folgen (z.B. der Fluch des Rubins/ Der Super-Papagei) wird die “Telefonlawine” angewendet, um schnell an Informationen zu kommen. Jeder der fünf Freunde ruft fünf seiner Freunde an und bittet um Informationen, diese rufen wieder fünf Freunde an, usw. Durch das Schneeballprinzip gelangen die Drei so schnellstmöglich an lokal bezogene Informationen (Wer hat einen schwarzen Sportwagen mit roten Ledersitzen gesehen?).

Überhaupt spielt das Telefon eine große Rolle in den Hörspielen:
Ebenfalls im Super-Papagei kommt Justus einem Lügner auf die Schliche, weil dieser behauptet hatte, mit Mr. Hitchcock telefoniert zu haben. Leider verlaufen in Kalifornien wie ich lernen musste, die Telefonleitungen oberirdisch, sodass man von außen sehen kann ob ein Haus einen Telefonanschluss hat oder nicht.
In “Das Geheimnis der Särge” wird die Telefontechnik in Europa, sogar in Deutschland gelobt: Denn hier ist es möglich, eine Nummer zurückzuverfolgen durch die Rückruftaste. In Kalifornien war das scheinbar nicht möglich.

Verantwortlich für Recherchen und Archiv
Die Person Bob Andrews ist gleichzeitig eine Art Institution, denn die Figur spielt eine ganz bestimmte Rolle bei den drei Detektiven. Bob muss immer dann ran, wenn Hintergrundinformationen für die Lösung eines Falls benötigt werden. Und da Google oder Bing im alten Kalifornien kein Smartphone-weit entfernt sind, muss er hierfür meistens in die Bibliothek. In einem der Bücher – leider kann ich mich nicht erinnern, welches der vielen – arbeitet er hier auch mit Microfiche.

Das Speichern und Bewahren von Medien stellte vor 40 Jahren auch ein größeres Problem als heute dar. In “Der magische Kreis” wütet ein Feuer in einem Verlagshaus und als Leser/ Hörer bangt man um die Existenz eines Buchmanuskripts, das dort gelagert wurde. Keine elektronische Kopie war vorhanden, nur Schreibmaschinenschrift auf herkömmlichen Papier.

Was fällt euch noch ein?

Kommentare

Einen Kommentar verfassen





© 2010 by Filiz Schulz    Impressum | Datenschutz