Medium & Stil im Netz der Zeit
30. Mai 2011

You must leave now, take what you need, you think will last

Das Faszinierende an alten Dingen ist für mich die Geschichte, die sie inne haben und erzählen. Je verrosteter, zerkratzter und benutzter ein Gegenstand ist, umso mehr lebt er. Alter Schmuck, der ungetragen ist (viele Händler werben damit, dass ihr Schmuck und ihre Kleidung unbenutzt aus einem Depot/ Lager von früher stammt), ist nur halb so interessant, ohne Seele.

So plakativ die Analogie, umso trauriger ist sie für mich dennoch: Gerade, was ich am Vintage-Gedanken bei materiellen Dingen so liebe, stellt sich beim Menschen als gänzlich konträr heraus. Es ist schlimm, zwei geliebte Menschen auf Grund von schweren Krankheiten dahin siechen zu sehen, die Kratzer und Gebrauchsspuren immer destruktiver zu erleben. Das Fatale sind meine Erinnerungen, die zu verblassen drohen und durch Krankheitsbilder ersetzt zu werden.

Ein tröstender Gedanke für mich: zu wissen, dass ich einiges bei mir habe, das meine Großeltern jahrelang begleitet hat – ein Schminkspiegel, eine Kommode, Schmuck. Materielle Dinge, mit denen ich doch so viel verbinde und die einen unfassbaren Wert für mich haben. Und der Gedanke, ihnen so viel wie möglich meiner Zeit schenken zu können: mit Briefen, Telefonaten und face-to-face-Besuchen.

But whatever you wish to keep, you better grab it fast.

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