Medium & Stil im Netz der Zeit
27. September 2010

Türkiye – Part II (Von Weltwundern und Siebenschläfern)

Die Gegend um Selçuk (Westtürkei an der Ägäis) ist voll von historischen Ausgrabungsstätten, Ruinen, Überbleibseln und Erinnerungen an die christliche Geschichte des Ortes.

Inmitten einer relativ unscheinbaren Sumpf- und Wiesenlandschaft ca. 200 Meter von den ersten Häusern der Stadt entfernt, ragt eine zusammengesetzte Steinsäule hervor. Die einzelnen Säulenteile unterscheiden sich alle von einander und scheinen etwas lieblos aufeinander getürmt. Weniger dokumentarisch als mehr symbolisch erinnert diese eine Säule an den Artemistempel von Ephesus (eines der sieben Weltwunder). Die Umrisse des kleinen abschüssigen Tals lassen die imposante Größe des Tempels erahnen. Aber Vorsicht: mittlerweile haben Pflanzen und Tiere (Gänse, Schlangen, Eidechsen, Pfaue) sich das Gelände einverleibt.

Als Einstimmung der Besichtigung von Ephesus gibt es ein entsprechendes Museum, das die Ausgrabungsfunde ausstellt. Besonders beeindruckt hat mich die Lockerheit im Umgang mit den Ausstellungsstücken: Nur die Artemisstatue darf nicht mit Blitz fotografiert werden und nur kleine Stücke wie Münzen oder Schmuck sind in Vitrinen untergbracht. Ansonsten gibt es keine Aufseher und ein Teil der Funde ist sogar in einem unbedachten Innenhof ausgestellt – besonders dieser hat im kühlen Morgenlicht und fast keinen Touristen einen ganz besonderen Reiz.

Dann ging es schließlich nach Efes selbst. Der schönste Ort dort war die Marienkirche. In der untergehenden Sonne, menschenleer strahlten die Ruinen eine einzigartige Ruhe und Atmosphäre aus, die weder in Bilder noch in Worten wiederzugeben ist.

Auf dem Weg zum Hauptbereich der Efes-Ausgrabung kommt man am Amphitheater vorbei, in dem die Touristen die üblichen Akustik-Versuche ausprobieren. Auf einem Lehmweg zwischen wilden einzigartigen duftenden Pflanzen, gesäumt von Säulen gelangt man schließlich zur Celsus-Bibliothek – leider ein wahrer Touristenbienenstock.

Ein kleines Stück von Efes entfernt befinden sich die Yedi Uyuyanlar, die sagenumwobenen Siebenschläfer-Höhlen.

Um noch rechtzeitig vor Besichtigungsschluss zu Meryemana in den Bergen von Selçuk zu kommen, sind wir in Rallye-Manier die Serpentinenstraßen hochgerast. Kostenfreier Eintritt, da wir so spät waren – aber wirklich bezahlen wollen, hätte ich für Meryemana nicht. Der Legende nach ist hier der Sterbeort der Hl. Maria, Mutter Jesus. Die kleine unscheinbare Basilika ist zum Wallfahrtsort gläubiger Christen geworden, eine Steinmauer ist meterlang mit weißen Tüchern bedeckt, die Wünsche der Pilgerer beinhalten. (Das gleiche findet man bei den Siebenschläfern, allerdings in den Bäumen und nicht an Steinwänden)

Konträr dazu die Moschee Isabey Cami, die ein Steinwurf vom Haus meiner Oma entfernt ist. Der Innenhof ist fantastisch, das Innere der Moschee nicht ganz so sehenswert.

Ein kurzer Gehweg entfernt von Isabey Cami ist die Basilika von St. John. Beim genaueren Hinsehen findet man überall verstreut Kreuze in die antiken Steine gemeißelt, auch ein Taufbecken weist auf den christlichen Ursprung der Stätte hin.

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