Medium & Stil im Netz der Zeit
1. Mai 2010

Vintage-Videos

Heute mal Musik.

Es gibt drei „zeitgenössische“ Musikvideos, die ich recht ansprechend finde und die unterschiedliche Vintage-Welten entwerfen.

Katy Perrys „Thinking of you“ spielt komplett in den 40-60ern(?). Der romantisch-kitschige Text wird von entsprechenden Videobildern unterstützt: Katy schmachtet in beiger Nachtwäsche vor ihrem Kosmetikspiegel, ein glücklich-perfekter Fahrrad-Ausflug ins Grüne, liebevolles Kuscheln auf der Picknickdecke… Dann entgegengesetzt die melodramatische Komponente mit all den Männergeschichten und die wüste Kriegswelt. Katys Frisuren, Sonnenbrillen und Bademoden sind zeit-authentisch und sitzen stets perfekt:

Musikvideos erzählen (idealerweise?) eine kleine Geschichte, Justin Timberlakes „What goes around comes around“ geht noch einen Schritt weiter und wird durch seine Länge (über 9 Minuten) und seinen Aufbau mit abwechselnden Sequenzen zwischen Dialog und Musikvideo zu einem Kurzfilm. Im Gegensatz zu „Thinking of you“ spielt das Geschehen nicht in einem früheren Jahrzehnt, sondern in der Gegenwart. Die Kulisse und die Protagonistin Scarlett Johansson spiegeln aber eine 20er-Jahre-Atmosphäre wider. Scarlett trägt beispielweise ein Korsett, sie fährt eine alte Corvette, Frisur und Outfit erinnern an die Charleston-Ära. Auch die Kulisse, vor der Justin singt, präsentiert einen Nachtclub aus dieser Zeit. Die Nachtclub-Kulisse wird nebenbei dazu verwendet, das Bumerang-Motiv des Liedtextes zu veranschaulichen: Die Variété-Künstlerinnen schwenken brennende Reifen, Justin singt in ein großes, rundes Mikrofon, er steht dabei auf einer kreisförmigen Bühne. What goes around, comes round, so dass sich der Kreis schließt:

Eine völlig bunte Welt entwirft das schon etwas ältere „Hey ya“ von Outkast. Nostalgisch wird es gleich zu Beginn: Sepia getönt in einem Fernsehbild im Bildschirm wird die Band von einem altmodischen Moderator angekündigt. Die Band selbst dann im knallgrünen Polo-/Golf-/Saubermanndress, das weibliche Publikum hysterisch kreischend mit Perlenketten, Toupé-Frisuren, Schulmädchenuniformen und Polaroid-Kameras. Alle Protagonisten wirken hineingebeamt in eine andere, ältere Welt: ein kleiner schwarzer Junge tanzt cool in einem 50er-Jahre-Wohnzimmer.

Fallen euch noch andere Musik-Videos ein?

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