Medium & Stil im Netz der Zeit
19. April 2010

Anti-Retro?

Ich liebe alte Dinge: ich trage Schmuck von meiner Großmutter, benutze ihr altes Silberbesteck, stöbere regelmäßig auf Flohmärkten oder schaue Film-Klassiker auf unserem 60er-Jahre Sofa. Der Reiz besteht für mich darin, mich mit Dingen zu umgeben, die es heute (zumindest in der exakten Form) nicht mehr gibt. Sie lockern einen einheitlichen Lebensstil auf, sodass eine interessante Mischung aus alt und neu entstehen kann – weg vom Mainstream.

Das ist zumindest meine Meinung, die nicht immer geteilt wird. Mein Vater runzelt genervt die Stirn, wenn ich ihn bitte, mir bei der Restaurierung einer alten Lampe zu helfen: „was willst du denn mit dem alten, kaputten Zeug?“. Für ihn müssen Dinge funktionieren, also kein morsches Holz, kein angelaufenes Metall. Während der Inneneinrichtung unserer Wohnung sprang mein Vintage-Funke denke ich aber zumindest auf meinen Freund über: „Wenn ich früher einen Stapel alter Holzstühle gesehen habe, dachte ich nur: wann kommt der Sperrmüll“, doch jetzt überlegen wir uns beide, was wir damit anfangen, basteln, dekorieren können.

Und genau darum wird es in diesem Blog gehen. Alte Dinge in Bezug zu setzen mit meinem heutigen Lebensstil, eine Mélange aus alt und neu zu versuchen. Und zu untersuchen, ob Retro, Vintage, Old school das heutige schnelle Real Life origineller machen.

Aktuell gibt es eine Auto-Werbung, die aggressiv mit „ANTI RETRO“ wirbt:

Der Blick und das Hängen in der Vergangenheit werden von John Lennon und Marilyn Monroe verurteilt, angeschlossen von dem Appell, etwas Eigenes zu kreieren. So weit stimme ich der Werbung absolut zu, schon Dagewesenes zu kopieren ist sehr un-Rock’n Roll. Das drastische ANTI RETRO des Höhepunkts der Ad dagegen schließt die Möglichkeit der Inspiration durch Vergangenes aber absolut aus. Wieso sollte man sich bei einer Neugestaltung nicht an schon Dagewesenem orientieren und daraus etwas Eigenes machen?

Seltsam, dass die Protagonisten der Werbung keine zeitgenössischen Testimonials sind, sondern eine Musiklegenden und zwei Filmikonen (in Italien wird das Auto auch mit Marcello Mastroianni beworben)…

Die kleine Reflexion als ersten Post sollte zeigen, dass es unterschiedliche Meinungen zu Vintage-Liebe gibt, verstaubt, altbacken und rückwärtsgewandt stehen inspirativ, Originalität und Herausforderung gegenüber. Vielleicht kann ich euch mit meinen Einträgen ein Stückchen auf meine Seite ziehen und euch die Faszination am Mischen und Matchen näher bringen. Was meint ihr?

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